Garten der Sterne web
 

Garten der Sterne

Regie: Pasquale Plastino & Stéphane Riethauser

DE 2016, 61 min., Farbe/S&W, FSK: o.A.

als Vorfilm: LAST ADDRESS

(Regie: Ira Sachs, US 2010, 8 min., Farbe)

 

Es war einmal ein verzauberter Berliner Friedhof, wo die Brüder Grimm ihre ewige Ruhe gefunden haben. Neben ihnen liegen all die zu früh verstorbenen schwulen Männer, aber auch die totgeborenen Babys der Stadt. Ein Ort, an dem die Sterne wohnen.

Garten der Sterne web
 

Garten der Sterne

Regie: Pasquale Plastino & Stéphane Riethauser

DE 2016, 61 min., Farbe/S&W, FSK: o.A.

als Vorfilm: LAST ADDRESS

(Regie: Ira Sachs, US 2010, 8 min., Farbe)

 

Es war einmal ein verzauberter Berliner Friedhof, wo die Brüder Grimm ihre ewige Ruhe gefunden haben. Neben ihnen liegen all die zu früh verstorbenen schwulen Männer, aber auch die totgeborenen Babys der Stadt. Ein Ort, an dem die Sterne wohnen.

Inhalt

Inhalt

Es war einmal ein alter Berliner Friedhof, wo die Brüder Grimm ihre ewige Ruhe gefunden haben. In diesem verzauberten Garten betreibt Ichgola Androgyn Deutschlands erstes Friedhofscafé. Ichgola (alias Bernd Boßmann, Mann/Frau Kabarettist, langjähriger schwuler und HIV/AIDS Aktivist) organisiert auch die Bestattungen jenseits von religiösen Zugehörigkeiten, mit Schwerpunkt totgeborene Babys. Denn auf diesem Friedhof gibt es eine besondere Gedenkstätte: den „Garten der Sternenkinder“. Ein wunderschönes Feld, wo Eltern einen Platz für ihr verlorenes Kind finden. Daneben ruhen die vielen Männer, die an AIDS gestorben sind und ein Stück Geschichte der Berliner schwulen Bewegung geschrieben haben. Im buntesten Friedhof Deutschlands wird das Leben mit seinen Rätseln und seinen Schönheiten wie nirgendwo anders zelebriert. Zwischen den Jahreszeiten erzählt uns die legendäre Zazie de Paris mit ihrer einzigartigen Stimme das Märchen der Brüder Grimm "Der Gevatter Tod".

Credits

Stabliste

Regie, Drehbuch
Pasquale Plastino & Stéphane Riethauser

Produktion
Lambda Prod, missingFILMs

Kamera
Stéphane Riethauser

Schnitt
Dalia Castel

Ton, Sound Design
Itamar Rosenblum

Erzählerin
Zazie de Paris

 

mit: Bernd Boßmann / Ichgola Androgyn

Pressestimmen

Pressestimmen

In seinem Dokumentarwerk "Garten der Sterne" befasst sich das Regie-Duo Pasquale Plastino und Stephane Riethauser mit dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof Berlin – insbesondere mit dem dazugehörigen "Café Finovo" und dessen Gründer Bernd Boßmann alias "Ichgola Androgyn". Das Friedhofscafé, welches das erste seiner Art in Deutschland war, bringt in seinem Namen das Ende sowie den Neubeginn in direkte Verbindung und deutet damit einen Übergang an. Der Film setzt sich mit schweren Themen – mit frühem Tod und Trauer – auseinander, macht dies jedoch auf eine ausgesprochen optimistische Art und Weise. Dies ist vor allem Bernd Boßmann zu verdanken, welcher sich als wunderbarer Protagonist erweist.

Plastino und Riethauser verweben ihre Aufnahmen des Friedhofs mit Archivmaterial aus Boßmanns Vergangenheit. So drehte dieser etwa mit den Filmemachern Rosa von Praunheim und Michael Brynntrup und war als Aktivist für AIDS-Hilfe-Projekte tätig. Ferner lassen die beiden Regisseure den (Lebens-)Künstler ausführlich zu Wort kommen; sie lassen ihn von seiner Anfangszeit in Berlin, von der Entstehung des "Café Finovo" und von seinen Ansichten über das Sterben und den Umgang damit erzählen. Diese Passagen sind niemals sentimental, stecken aber voller Feingefühl, sind klug und reflektiert. Wenn Boßmann erläutert, er habe mit seinem Café einen Ort der Kommunikation für all die Menschen, die den Friedhof besuchen, schön machen und betreuen, schaffen wollen, demonstrieren die Kamerabilder, wie sehr ihm dies gelungen ist. Boßmann spricht von einer Reform der Sepulkral- und Friedhofskultur – dass eine Ruhestätte nicht zwangsläufig mit absoluter Stille und leisem Flüstern einhergehen muss, sondern auch lautere Kinderstimmen, Lachen und lebhafte Unterhaltungen zulassen darf. Solche Darlegungen sind ebenso eindrücklich wie Boßmanns Schilderungen von seiner Arbeit als Bestatter für still geborene Kinder.

Eingerahmt wird das Werk von dem Grimm'schen Märchen "Der Gevatter Tod", welches von Zazie de Paris in herrlich markantem Duktus via voice-over präsentiert wird. Auch dies trägt dazu bei, aus "Garten der Sterne" ein beglückendes Filmerlebnis zu machen.

Fazit: Weise, philosophisch und Mut machend – ein sehr schöner Film über eine ernste Thematik. Sehenswert!
 

Garten der Sterne - Berührend, entspannt, poetisch

„Ein Cafè auf einem Friedhof? Warum nicht! Wenn ein Friedhof ein Ort der Begegnung sein soll, dann braucht man auf dem Friedhof einen Ort, an dem man sich begegnen kann“, heißt es auf der Homepage des Alter-St.-Matthäus-Kirchhof, der sich an der Grenze von Schöneberg zu Kreuzberg unweit des U-Bahnhofs Yorckstraße befindet. Pasquale Plastino und Stéphane Riethauser haben einen Dokumentarfilm über diesen Friedhof, dessen Café „Finovo“ und seinen Betreiber Bernd Bossmann, alias Ichgola Androgyn, gemacht und erzählen das Ganze zu Beginn als Märchen. Die transidente Schauspielerin Zazie de Paris („Westler“) spricht eine Grimm’sche Erzählung, während die Kamera traumwandlerisch durch Baumkronen fährt und wir danach Bossmann begegnen, der nicht zum ersten Mal eine*n charismatische*n Filmprotagonist*in abgibt. Bereits in den Filmen von Michael Brynntrup und Rosa von Praunheim (die elegant in den Film einflochten werden) konnte man Ichgola Androgyn bewundern. Nun sehen wir nicht mehr die Trümmer-Transe und Polit-Tunte im Kampf gegen AIDS, sondern eine*n Aktivist*in, der/die den Friedhof als Begegnungsort neu denkt, Führungen gibt, über tote Schwule informiert und über den Garten der Sternenkinder berichtet. Dort werden sogenannte still- oder fehlgeborene Kinder begraben, denen sonst das Anrecht auf einen Bestattungsort nicht gegeben ist. Viele schwierige Themen werden von Plastino und Riethauser mit einer wunderbaren Leichtigkeit zu einem kleinen, filmischen Gedicht montiert, das ebenso berührend wie entspannt und atmosphärisch dicht daherkommt. Die erzählerischen Freiräume des Films, der unsentimentale, aber bewegende Sprachduktus von Bernd Bossmann und die große humanistische Liebe, die den Film dank seiner Hauptfigur durchtränkt, machen GARTEN DER STERNE zu einem wunderbaren, und im dokumentarischen Einerlei auch sehr besonderen Film. 

Indiekino.de, Toby Ashraf

 

Der Tod macht alle gleich

Die erstaunliche Dokumentation „Garten der Sterne“ porträtiert den Alten St. Matthäus-Kirchhof in Tempelhof-Schöneberg als einen Ort der Toleranz.

Wenn einer ein Experte für den Tod ist, dann Bernd Boßmann, die zentrale Figur in dem Dokumentarfilm „Garten der Sterne“ der beiden Filmemacher Pasquale Plastino und Stéphane Riethauser. Boßmann betreibt auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof, einem Friedhof der evangelischen Zwölf-Apostel-Kirche in Tempelhof-Schöneberg, nicht nur einen Laden für Blumen, sondern ein Café, das „erste deutsche Friedhofscafé“, wie er selbst sagt.

Und wenn man sich ansieht, was für ein entspanntes Verhältnis der Friedhofscafé-Betreiber zum Tod hat, der ihn andauernd umgibt, kann einem das durchaus ein paar der Ängste nehmen, die wohl die meisten Menschen bei diesem Thema haben. An einer Stelle im Film gibt er sogar seine Überzeugung preis, dass der Tod die ultimative Erfahrung überhaupt sei, eine Art Superorgasmus, etwas ganz Besonderes. Das Beste kommt demnach also tatsächlich zum Schluss, eine interessante These.

Boßmann ist zwar die wichtigste Person in dieser erstaunlichen Dokumentation, der Hauptprotagonist ist jedoch der 161 Jahre alte Friedhof selbst. Überproportional viele Schwule liegen hier begraben, der prominenteste ist sicherlich Rio Reiser. Das habe sich so entwickelt, glaubt Boßmann, weil eben Schöneberg schon seit Jahrzehnten ein Zentrum der Berliner Schwulenszene sei.

Boßmann hat auch bereits ein Grab hier, er wird irgendwann neben seiner alten Freundin Ovo Maltine legen, einer bis heute unvergessenen Kabarett-Tunte, Schauspielerin und Aids-Aktivistin, zu deren letzter Ruhestätte immer noch Fans und Bewunderer kommen.

Utopisches Refugium

Ausgerechnet ein Friedhof wird in „Garten der Sterne“ zu einem Ort der Toleranz, zu einem utopisch anmutenden Refugium einer besseren Gesellschaftsform. Dazu passt auch das Märchen „Gevatter Tod“, das nach und nach in der Dokumentation erzählt wird und das auf die Brüder Grimm zurückgeht, die auch auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof begraben liegen. Nicht Gott will der arme Mann aus dem Märchen zum Paten seines dreizehnten Kindes, nicht Gott, der den Reichen gibt und die Armen hungern lässt, und nicht den Teufel, der noch schlimmer ist, sondern den Tod, „der alle gleich macht“.

Märchen, Friedhof, Tod, Schwulsein, all das wird auf eigentümliche und doch ziemlich schlüssige Art und Weise miteinander in Beziehung gesetzt. Ganz sachlich, nicht sentimental, betroffen oder mit religiöser Überzeugung wird über Tod und Trauer reflektiert und an Aids erinnert – Boßmann selbst ist HIV-positiv –, während schon im nächsten Moment das erzählte Märchen eine fast surreale Stimmung erzeugt. Der Film ist so in eigenwilliger Weise gleichermaßen nüchterne Erzählung und Friedhofsmeditation.

In diesem Wechselspiel der filmischen Stilmittel kommt man dem Ort und demjenigen, der über ihn wacht, seinem guten Geist, dem dauerntspannten 57-jährigen Boßmann, langsam immer näher. Sieht ihn im stillen Gedenken vor dem Friedhofsdenkmal für die an Aids Gestorbenen, sieht ihn, den ehemaligen Schauspieler mit dem Künstlernamen Ichgola Androgyn, in alten Filmaufnahmen von Rosa von Praunheim, der ebenfalls in Betracht zieht, an die hoffentlich ferne Zukunft zu denken und sich hier schon mal ein Grab zu kaufen.

Ein Ort für die Lebenden

Und man sieht ihn, wie er aktiv auf die Kultur des Trauerns und Gedenkens auf seinem Friedhof einwirkt. Wie er sich darum bemüht, nicht nur in seinem Café die Menschen miteinander in Verbindung zu bringen, sich in ihrer Trauer zu vereinen, zu kommunizieren. Der Friedhof ist vielleicht noch mehr ein Ort für die Lebenden als für die Toten und wenn die Menschen an diesem, wie man in „Garten der Sterne“ sehen kann, joggen, ein Buch lesen, ja sogar ein Bier trinken, ist das ganz in Boßmanns Sinne.

Um die sonst so gerne beschworene Würde des Ortes macht er sich wenig Sorgen. Auch Kinder können sich seiner Meinung nach auf einem Friedhof gar nicht danebenbenehmen. Ganz im Gegenteil seien es gerade die Kinder, die oft die tröstlichsten Worte für ihre trauernden Eltern finden würden.

Besonders bei den Begräbnissen im „Garten der Sternenkinder“ erlebt er das, einem Friedhof im Friedhof, der von Boßmann betreut wird und auf dem sie gemeinsam mit den Eltern von ihren totgeborenen Geschwistern Abschied nehmen können. Danach schauen sie vielleicht noch beim Grab der Brüder Grimm vorbei.

Friedhöfe müssen nicht diese leblosen Orte mit starren Riten sein, auf denen man sich unwohl fühlt. Es geht auch ganz anders. Nach dem Film „Garten der Sterne“ ist man sich sicher, dass man nur noch dort begraben sein möchte, wo jemand wie Bernd Boßmann über einen wacht.

- taz, Andreas Hartmann

 

Garten der Sterne - Ein kurzer Film über das Sterben 

Zum Meditieren schwingt sich Bernd Boßmann jeden Sonntagmorgen auf einen Baum. Dann liegt er in dessen weitverzweigten Ästen und gibt ihnen seine Wünsche mit, die diese – da ist sich der Mittfünfziger mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen sicher – in die Weiten des Alls senden. Seine "Antenne zum Universum", wie Boßmann den Baum liebevoll nennt, steht nicht irgendwo im Verborgenen eines privaten Gartens, sondern auf einem öffentlichen Friedhof, dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg. Auf den Bänken darunter nehmen schon einmal Kinder Platz, die von ihren Erziehern etwas über das Sterben lernen. Nicht weit entfernt liegen die Gebrüder Grimm, aus deren Fundus sich Pasquale Plastino und Stéphane Riethauser den erzählerischen roten Faden ihres Dokumentarfilms entliehen haben. 

Der Gevatter Tod steht am Anfang, Mitte und Ende ihres Films. Während die Kamera an Bäumen entlangfährt und die durchs Blattwerk hindurchbrechenden Sonnenstrahlen einfängt, rezitiert Zazie de Paris das grimmsche Märchen. Der unnachahmliche französische Akzent der Schauspielerin und Sängerin verleiht der Geschichte die nötige Mischung aus Erdenschwere und Leichtigkeit, die so trefflich zum Thema und zu dessen Umsetzung passt. Im Gevatter Tod wählt ein Vater den Sensenmann als Paten für sein 13. Kind, da nur dieser, ganz im Gegensatz zu Gott oder dem Teufel, alle Menschen gleichmacht. Auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof haben neben den berühmten Geschwistern auch zahlreiche Männer, die viel zu jung verstarben, und Kinder, die bereits tot auf die Welt kamen, ihre Ruhestätte gefunden. Letztere liegen im "Garten der Sternenkinder", der dem Film seinen Namen gibt. Dank Bernd Boßmann ist das nie bedrückend, sondern beglückend.

Boßmann war schon vieles in seinem Leben. 1984 kam der ausgebildete Kranken- und Psychiatriepfleger nach Berlin und mischte unter den Pseudonymem Ichgola Androgyn, Theodor van den Boom und Kläre Grube solo oder in diversen Gruppen als Schauspieler, Kabarettist, Dragqueen und schwuler Aktivist die Szene auf. Mittlerweile arbeitet er auch als Bestatter, der die Angehörigen der "Sternenkinder" bei ihrer Trauer begleitet. Seit 2006 betreibt er zudem das erste deutsche Friedhofscafé. Noch so eine der vielen kleinen Geschichten, die die Regisseure ganz beiläufig erzählen. Eine andere ist die vom Exitus des schwulen Lebens in den 1990er Jahren. Dann blättert Boßmann sehr lange in einem Fotoalbum, das verstorbene Weggefährten zeigt. Kaum einer davon wurde älter als 40. Sein Freund und Mitstreiter Christoph Josten alias Ovo Maltine zählt dazu und liegt im Gemeinschaftsgrab, das sich Boßmann mit seinen Künstlerkollegen gekauft hat.

Pasquale Plastino und Stéphane Riethauser haben Garten der Sterne bewusst um Bernd Boßmann und seinen Arbeitsplatz herumgebaut. Und ihr kleiner, kurzer Film über den (Umgang mit dem) Tod lebt voll und ganz von seinem Lebenskünstler. Außer ihm kommt keiner zu Wort, Archivmaterial beschwört alte Tage herauf. Dann sind Boßmann & Co. bei Rosa von Praunheim und Michael Brynntrup zu sehen, für die sie vor der Kamera standen. Wenn Boßmann für eine neue Sepulkralkultur plädiert, die Friedhöfe als lebendige Orte begreift, auf denen Kinderlachen andächtige Stille ersetzt, kann man ihm nur beipflichten. Den Tod selbst hält das Multitalent im Übrigen für etwas ganz Tolles. Garten der Sterne gewährt nicht weniger als einen kurzen Einblick in dieses "Silvester unseres Lebens", wie Boßmann das Sterben nennt, aber auch nicht mehr.

Kino-Zeit.de, Falk Straub

 

Garten der Sterne

Ein Friedhof als Stätte der Begegnung ist eine ungewöhnliche Vorstellung, doch genau das ist der Alte St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin. Genauer gesagt das Cafe Finovo, das von Bernd Boßmann, Schauspieler und Schwulenaktivist geleitet wird. Er steht im Mittelpunkt von Pasquale Plastino und Stéphane Riethauser kurzer und sehr sehenswerter Dokumentation „Garten der Sterne.“

Einen Père Lachaise wie in Paris gibt es in Berlin nicht, einen Friedhof, auf dem unzählige Prominente ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. In Berlin sind die Gräber von Berühmtheiten wie Bertolt Brecht, Friedrich Wilhelm Murnau oder Nico über das ganze Stadtgebiet verteilt, darunter der Alte St.-Matthäus-Kirchhof, der sich im Stadtteil Schöneberg befindet. Die Lage ist nicht ganz unwichtig für den Schwerpunkt von Pasquale Plastino und Stéphane Riethauser Film, denn das in Schöneberg das schwule Zentrum Berlins liegt, führte dazu, dass hier besonders viele schwule Männer beerdigt sind, von denen viele an den Folgen von AIDS starben.
 
So lernte auch der Schauspieler Bernd Boßmann, der meist unter seinem Künstlernamen Ichgola Androgyn auftritt, den Friedhof kennen, zu dem er bald eine vielseitige, innige Beziehung aufbauen sollte. Nicht nur einen Grabplatz für sich und seinen Partner suchte er aus, er eröffnete im ehemaligen Verwaltungshäuschen das Café Finovo, eines der wenigen, vielleicht das einzige deutsche Friedhofscafé. Der Name setzt sich aus den Worten Fin für Ende und Novo für Neubeginn zusammen, ein optimistischer Name für einen Ort der ewigen Ruhe, aber auch passend, denn gerade Boßmann versucht mit seiner Arbeit, die Erinnerung an die Toten am Leben zu erhalten.
 
Dass gilt zum einen für die vielen Schwulen, die hier begraben wurden – darunter auch Manfred Salzgeber, Gründer der Berlinale-Sektion Panorama und des gleichnamigen Filmverleihs und Rio Reiser, der selbsternannte König von Deutschland – aber auch für die Kinder und Babys, die im so genannten Garten der Sternenkinder begraben liegen. Dieser Garten gibt dem Film seinen Namen, einer mittellangen Dokumentation, der es auf überzeugende Weise gelingt, die Arbeit von Bernd Boßmann, aber auch die besondere Atmosphäre des Alten St.-Matthäus-Friedhofs einzufangen.
 
Klassisch dokumentarisch sind dabei Szenen mit Boßmann, wie er in seinem Café arbeitet oder über den Friedhof spaziert, Szenen, die durch Aufnahmen von Boßmanns künstlerischer Arbeit ergänzt werden, vor allem Auftritte mit diversen Theater- und Travestiegruppen, aber auch Ausschnitte unter anderem aus Filmen von Rosa von Praunheim, in denen Boßmann mitspielte.
 
Eingerahmt werden diese dokumentarischen Momente durch poetische Bilder des Friedhofs, der dicht bepflanzt ist und auch durch seine Hanglage zu den schönsten Berlins zählt. Während die Kamera durch den Friedhof gleitet, über prunkvolle Grabanlagen und schlichte Gräber, die Sonne durch das dichte Laubwerk scheint und eine fast mystische Stimmung erzeugt, liest die Künstlerin Zazie de Paris das Märchen „Der Gevatter Tod“ der Gebrüder Grimm. Durch ihre markante Stimme gibt sie der Geschichte über einen armen Mann, der sein 13. Kind nicht ernähren kann und einen Gevatter, einen Taufpaten sucht, den er erst im Tod findet, denn der Tod macht alle gleich, eine besondere Note, eine beglückende Tragik, die ideal zu diesem ganz besonderen Friedhof passt.

Programmkino.de, Michael Meyns


Garten der Sterne

„Once upon a time, there was an enchanted cemetry in Berlin, where the Grimm Brothers, stillborn babies and gay people are resting in peace.“

Vogelgezwitscher, sich im Wind wiegende Baumkronen und eine Stimme, die das Märchen der Gebrüder  Grimm „Der Gevatter Tod“ erzählt. Wir befinden uns auf dem Alten Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg, im sogenannten „Bermuda-Dreieck“. Eingeweihte werden sofort wissen, was damit gemeint ist.

Pasquale Plastino und Stéphane Riethauser haben einen beeindruckenden Dokumentarfilm über diesen ehrwürdigen Friedhof gedreht, der Titel GARTEN DER STERNE.

Der „Garten der Sterne“ ist der Teil, in dem die liebevoll angelegten Gräber der totgeborenen Babies zu finden ist.

Ichgola Androgyn/ Bernd Bossmann, dessen zweites Zuhause dieser Friedhof inzwischen ist, erzählt mit ganz viel Empathie über sein Café finovo, welches er mit eisernem Willen gegen so manche Widerstände eröffnet hat. Das kleine Gebäude, ehemals das Latrinenhaus, ein gemütlicher Treffpunkt für Gross und Klein, ist das erste Café auf einem deutschen Friedhof überhaupt. Im Sommer kann man draußen sitzen, dem Vogelgezwitscher lauschen und schmackhaften selbst gebackenen Kuchen essen.

Angefangen hat alles 1984, als Bossdorf nach Berlin kam, sich einer bunten Tuntengruppe anschloss und sich als vielseitiger Künstler unter dem Namen Ichgola Androgyn eine riesen Fangemeinde aufbaute. Und nicht nur das, mit grossem Herzblut widmete er sich sozialen Projekten, die er mit Hilfe  von Gleichgesinnten betreute. Nun ist sein Engagement auf dem Friedhof bewundernswert. Die Grabstelle für sich und seine Freunde hat er schon ausgesucht. Er spricht viel über den Tod . Wie er ihn sich vorstellt und wie unbefangen Kinder mit dem Begriff umgehen. Er organisiert Umzüge, auf denen die Kinder mit selbstgebastelten Laternen zu den Gräbern ihrer verstorbenen Geschwisterkinder ziehen, hüpfend , springen und lachend ,wenn ihnen danach zu Mute ist. Er hasst es, wenn auf dem Friedhof nur geflüstert wird. Während die Kamera die schönsten Bilder einfängt, hört man immer wieder die Stimme von Zazie de Paris, wie sie das Märchen vom Gevatter Tod intoniert. Mein Lieblingssatz von Ichgola lautet: „Der Tod ist das Silvester unseres Lebens“. Niemals hätte ich gedacht, dass ich nach einem Film über einen Friedhof und den Geprächen über den Tod mit einem beschwingten Glücksgefühl nach Hause gehen würde. Es war aber so.

Geschickt montiert sind Filmauschnitte von Szenen, in denen Ichgola samt Künstlerfreunden wie Tima die Göttliche, Ovo Maltine, Bev Stroganoff und einige mehr  aufgetreten sind.

Ulriketratschtkino.worldpress.com, Ulrike Schirm

 

Biografie

Biografie

Pasquale Plastino, Autor, Regisseur
Pasquale Plastino wurde 1959 geboren. Doktor in Moderne Philologie. Theaterstudium am Piccolo Teatro in Mailand. Ab 1981 als Theaterregisseur tätig. Ab 1992 Regieassistent von Bernardo Bertolucci und Carlo Verdone. Seit 1996 arbeitet er als freier Drehbuchautor. Er lebt zwischen Rom und Berlin.

Stéphane Riethauser, Autor, Regisseur
Stéphane Riethauser wurde 1972 in Genf geboren. Jurastudium an der Universität Genf (lic. iur. 1995). Lehrer, schwuler Aktivist, Fotograf, Journalist, Übersetzer und Fernsehregisseur. Autor von „A visage découvert“, einem Fotoband über Coming Out (Slatkine Verlag, 2000), zahlreichen Reportagen für das Schweizer Fernsehen RTS (2003-2008), und „Die Verlangsamte Zeit“, ein Dokumentarfilm über den Maler Marius Borgeaud (Lambda Prod, 2007). „Prora“, sein Kurzfilmdebüt als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, wurde mit 15 Preisen ausgezeichnet und auf mehr als 120 Festivals gezeigt. Er lebt und arbeitet in Berlin. 

Festivals

Festivals

2017, Schwule Filmtage, Bielefeld

2017, Chéries-Chéris Film Festival, Paris

2017, Achtung Berlin - "Bester Dokumentarfilm Mittellang/Kurz"

2017, Pink Apple Film Festival, Zurich

2017, Solothurner Filmtage - Pan Doc

2016, Florence Queer Film Festival (World Premiere) - "Best Film"

Downloads

Downloads

Jetzt im Kino!!

 

Preview / Premiere / Filmgespräche

am 23.04.2017 - BERLIN - Achtung Berlin - 17:15 - Babylon

am 26.04.2017 - BERLIN - Achtung Berlin - 22:30 - Babylon

am 29.05.2017 - BERLIN - Exberliner Preview - 20:30 - Lichtblick Kino

am 09.07.2017 - BIELEFELD - Lichtwerk im Ravensberg Park - Schwule Filmtage

am 11.08.2017 - BERLIN - Theater O-TonArt - in Rahmen von Regenbogensommers

am 18.10.2017 - HANNOVER - Perlen - Queer Film Festival 

am 19.11.2017 - PARIS - Chéries-Chéris Film Festival

am 11.01.2018 - BERLIN - Xenon - 20:00 PREMIERE mit Gästen

am 17.01.2018 - BERLIN - Klick Kino - 18:00 - Filmgespräch 

am 19.01.2018 - KÖLN - Filmforum NRW/Museum Ludwig - 21:00 - Filmgespräch 

am 20.01.2018 - BERLIN Sputnik Kino - 18:00 - Filmgespräch  

am 21.01.2018 - BERLIN Lichtblick Kino - 19:00 - Filmgespräch 

am 28.01.2018 - BERLIN - Bundesplatz-Kino - 11:00 - Filmgespräch

 

Kinostart: 18.01.2018

 

BERLIN

am 11.01.2018 Xenon um 20:00 PREMIERE 

am 17.01.2018 Klick Kino um 18:00 Filmgespräch 

am 20.01.2018 Sputnik Kino um 18:00 Filmgespräch 

am 21.01.2018 Lichtblick Kino um 19:00 Filmgespräch 

am 28.01.2018 Bundesplatz-Kino um 11:00 Filmgespräch 

11.01. - 17.01.2018 Xenon

17.01. - 24.01.2018 Klick Kino

18.01. - 24.01.2018 Lichtblick Kino

18.01. - 24.01.2018 Sputnik Kino

 

HAMBURG

11.02. - 14.02.2018 3001 Kino

am 11.02.2018 um 17:00 3001 Kino Filmgespräch mit Bernd Bossmann

 

KÖLN

am 19.01.2018 um 21:00 Filmforum NRW/Museum Ludwig Filmgespräch mit Bernd Bossmann

 

NÜRNBERG

am 27.02.2018 Kommkino