War of Art (Kl.) Kopie.jpg

War of Art

Regie: Tommy Gulliksen

NOR/D 2019, 102 min., Farbe, OmU, FSK: o.A.

 

Was passiert, wenn eine Gruppe internationaler Künstler nach Nordkorea geht, um lokale Künstler über subversive Kunst und Rebellion zu unterrichten? Wie viel wird das totalitäre Regime tolerieren, bevor es eingreift? Und was wird mit dem Projektverantwortlichen, dem norwegischen Künstler Morten Traavik, passieren, wenn der Kunstaustausch zu einem Skandal von internationalem Ausmaß wird?

Ein Film über das DMZ Academy Projekt von Traavik.info

War of Art (Kl.) Kopie.jpg

War of Art

Regie: Tommy Gulliksen

NOR/D 2019, 102 min., Farbe, OmU, FSK: o.A.

 

Was passiert, wenn eine Gruppe internationaler Künstler nach Nordkorea geht, um lokale Künstler über subversive Kunst und Rebellion zu unterrichten? Wie viel wird das totalitäre Regime tolerieren, bevor es eingreift? Und was wird mit dem Projektverantwortlichen, dem norwegischen Künstler Morten Traavik, passieren, wenn der Kunstaustausch zu einem Skandal von internationalem Ausmaß wird?

Ein Film über das DMZ Academy Projekt von Traavik.info

Inhalt

Inhalt

Frühjahr 2016: 10 verschiedene Künstler aus aller Welt reisen nach Pjöngjang in Nordkorea. Zehn Tage lang werden sie den nordkoreanischen Künstlern ihre umstrittenste Kunst zeigen und ihre Denkweise hinterfragen. Das Projekt könnte ein bahnbrechender Schritt zur Eröffnung eines kulturellen Austauschs mit der Außenwelt sein. Gleichzeitig könnten die Behörden versuchen, das Projekt als Propagandainstrument zu nutzen. Es besteht die Hoffnung, dass die Kunstakademie als "trojanisches Pferd" in einer Gesellschaft ohne Rebellion agieren kann. Dieser Film wird eine einzigartige Perspektive auf die nordkoreanische Kultur bieten.

Norsk Fjernsyn aus Norwegen und die Berliner Story House Productions haben diese einzigartige Geschichte in Koproduktion produziert. Nordkorea gilt als das isolierteste Land der Welt. Eine totalitäre Dynastie, in der der Führer Kim Jong-Un die Menschen von der Außenwelt fernhält. Politische Aktivisten und ihre Familien werden inhaftiert, selbst für die kleinsten rebellischen Aussagen. Wie ist es möglich, in einem Regime wie Nordkorea ein echter Künstler zu sein?

Credits

Stabliste

Regie: Tom Gulliksen

Kamera: Sven-Erling Brusletto

Schnitt: Uwe Klimmeck 

Musik: Kjetil Røst Nilsen, Takumi Motokawa, Frank Zerban, Nik Nowak

Design: Kristian Pedersen, Jean Valnoir

Produktion: Andreas Gutzeit, Linn Aronsen, Eirin O. Høgetveit, Benedikte Danielsen

 

Mit: Morten Traavik, Henrik Placht, Nik Nowak, Jean Valnoir, Quentin Shih, Cathie Boyd

Pressestimmen

Pressestimmen

 

Nach dem LIBERATION DAY folgt der WAR OF ART! Seit 2011 arbeitet der norwegische Künstler Morten Traavik mit dem nordkoreanischen Regime zusammen. Sein erklärtes Ziel: die seit 1948 von westlicher Kultur abgeschottete Gesellschaft Nordkoreas mit moderner Kunst in Berührung zu bringen. Bei seinem jüngsten Projekt reist eine Gruppe internationaler Künstler nach Nordkorea, um sich mit einheimischen Kulturschaffenden auszutauschen. Während der Atomkonflikt im Sommer 2017 erneut eskaliert, führen die Teilnehmer vor Ort einen Krieg gegen die allgegenwärtige Überwachung und Zensur, gegen Paranoia, Ressentiments und Unverständnis. Und singen am Ende doch gemeinsam Karaoke. Denn „wenn du nie mit Ländern mit schwierigem Regime arbeitest – wie sollen sie sich jemals ändern?“ Ein vielschichtiger Film über einen ungewöhnlichen Kulturaustausch.“ 

Monika Haas, www.dokfest-muenchen.de

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WAR OF ART

Doku über den Versuch einer westlichen Künstlergruppe, in Pjöngjang mit nordkoreanischen Kunstschaffenden in Gespräch zu kommen.

Was soll man mit Nordkorea und seinem Regime anfangen? Soll man es weiterhin mit Sanktionen überziehen, isolieren und mit aggressiver Cowboysprache Ultimaten setzen, obwohl all dies kaum innenpolitische oder regimekritische Wirkungen gezeitigt hat? Oder sollte man, wie es der norwegische Filmemacher Morten Traavikvorschlägt, mit der nordkoreanischen Bevölkerung – soweit möglich – in Kommunikation zu treten versuchen?

Als Traavik 2015 ein Konzert der slowenischen Rockband „Laibach“ in Nordkorea organisierte und die Konzertreise in seinem Film „Liberation Day“dokumentierte, konnte man das Ganze noch für eine pfiffig-subversive Idee aus dem Laibach-Fundus halten. Die Band, die seit Jahrzehnten mit den ästhetischen Codes des Totalitarismus spielt, begibt sich gewissermaßen auf eine „Coming Home“-Tour in eine Diktatur, die dadurch (auch) zum ästhetischen Effekt, zum Teil einer Performance wird. Ziemlich clever, aber eher für ein westliches Publikum gedacht.

Eine Reise in eine andere Welt

Traaviks nächstes Projekt, das in „War of Art“ dokumentiert wird, war die „DMZ Academy“: eine Begegnung von Künstlerinnen und Künstlern zweier unterschiedlicher Kulturen, die im besten Fall zu einem Austausch, viel wahrscheinlicher aber zu einem „Clash of Cultures“ führt. Die Auswahl der zehn nach Pjöngjang eingeladenen Kunstschaffenden ist speziell: etwa ein Soundscape-Artist aus Deutschland, ein französischer Graphik-Artist, der seine Kunst auf Eigenblut und menschlichem Knochenmehl gründet, ein abstrakt-serieller Maler aus Norwegen, ein Fotograf aus China und eine höchst erfolgreiche Kuratorin und Multimedia-Artistin aus Schottland. Die Künstler zählen gewiss nicht zum „Mainstream“ des internationalen Kunstbetriebs, was im Laufe des Films noch bedeutsam wird.

Es hat in den vergangenen Jahren ein paar Dokumentationen über Nordkorea gegeben („Im Strahl der Sonne“, „Meine Brüder und Schwestern im Norden“), weshalb bestimmte Blicke aus Hotelfenstern auf Plätze oder der offene Umgang mit der vorherrschenden Inszenierung von Realität durchaus bekannt erscheinen. Trotzdem erscheint „War of Art“ als ein Quantensprung in der Darstellung von Nordkorea. Traavik setzt etwas sardonisch auf die Strategie „Rage within the Machine“; er will provozieren, aber auch provoziert werden. Beides erweist sich aber als deutlich schwieriger als vielleicht gedacht. In Pjöngjang angekommen, werden die Künstler in einem Hotel untergebracht und bekommen eine Gruppe von zumeist sehr freundlichen Nordkoreanern an die Seite, die betreuen, übersetzen, organisieren und überwachen sollen. Unbegleitete Bewegungen in der Stadt sind nicht erlaubt. Als sich einer der Künstler einmal von der Gruppe entfernt, wird er sogleich zurückgepfiffen und gemaßregelt, wobei in einem seltsamen Anflug von Humor auch gleich von Folter die Rede ist. Überhaupt kommt der Humor in „War of Art“ nicht zu kurz.

Was auch immer die Erwartung Traaviks gewesen sein mag, so ist auf einer ersten Ebene ein umfassendes und äußerst frustrierendes Scheitern zu registrieren, weil zwar die Konfrontation mitunter glückt, aber die Kommunikation in der Regel nicht funktioniert. Auf einer zweiten Ebene allerdings scheint „War of Art“ tatsächlich die Tür nach Nordkorea einen Spalt breit öffnen zu können.

Aufs Handwerk konzentriert

Die Gäste dürfen sich an einer bestens inszenierten Oberfläche abarbeiten, doch jeder Versuch, authentisch zu kommunizieren, wird freundlich, aber bestimmt unterbunden. Statt irgendeiner Form von persönlicher Begegnung gibt es bestenfalls die durchaus stolze Präsentation bestens ausgebildeter Künstlerinnen und Künstler, die in der Regel handwerklich perfekte Kopien zu fertigen verstehen, sich dabei aber nicht von Ideen oder Konzepten leiten lassen.

Es ist aber nicht so, dass die Nordkoreaner die ihnen präsentierte „freie“ Kunst staunend oder voller Bewunderung rezipieren. Im Gegenteil! Die Nordkoreaner sind nicht sprachlos, sondern haben durchaus eine Meinung dazu. Diese folgt einer Kunstauffassung, bei der die Kunst nicht „autonom“ gedacht, sondern utilitaristisch in die Pflicht genommen wird. In Nordkorea dient die Kunst der Vermittlung der Staatsideologie, und die Geschichte der modernen Kunst endet vor den kubistischen Experimenten von Picasso und Braque.

So stoßen die avancierten Westler unvermittelt auf eine Gegenrede, die die Tendenz zur Abstraktion in Frage stellt. Wenn der Soundscape-Artist mit prozessierten Sounds arbeitet, die dem menschlichen Hörvermögen nicht zugänglich sind, und er von inneren akustischen Landschaften schwärmt, muss er sich fragen lassen, ob er denn etwa ein Bild von Bakterien auch als Kunst gelten lassen würde? Überhaupt: „Haben Sie nicht auch etwas, das mit dem Leben der Menschen zu tun hat?“ Derart fundamental in Frage gestellt, reagieren die Künstlerinnen und Künstler hilflos bis resigniert: „Oje, hier sollen die Künstler wieder Kunst machen!“ Am besten eine Kunst, die dann vom großen Führer Kim Jong-un gelobt wird.

„Ist das Kunst oder kann es weg?“

So spürbar die Kluft zwischen der hochreflektierten und potentiell autonomen Konzeptkunst der Gäste und dem ganz anders gepolten Schaffen der nordkoreanischen Künstler auch ist, so erinnert manche „Diskussion“ auch an hierzulande durchaus populäre und durchaus bornierte Sichtweisen: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Für das „weg“ sind die Asiaten zu höflich, im Gegensatz zum aktuellen US-Präsidenten, der hier mehrfach aus dem Off zu hören ist.

Sehr interessant ist dann allerdings das Gespräch, das sich zwischen dem chinesischen Fotografen und einem der „Begleiter“ ergibt. Zu beobachten ist, wohin eine intelligente Gesprächsführung gelangen könnte, wenn es um Homosexualität, materielle Wünsche und Träume geht. Seine Träume, so der Nordkoreaner, weisen nicht ins Materielle; er träume davon, ein Mensch zu werden, an den sich die nächste Generation noch erinnert. Wenn man so will, heißt das ja, dass jemand, der sich durchaus als ein Individuum versteht, eine Spur hinterließe.

Vom Atomtest überrascht

Als die Reisegruppe dann von einem nordkoreanischen Atomtest überrascht wird, zeigt sich schnell, dass die staatliche Propaganda im Verbund mit den permanenten US-Drohgebärden eine Art künstlicher „Gemeinschaft“ kreiert haben, die nicht zu unterschätzen ist. Teil einer Nuklearmacht zu sein, scheint mehr Sicherheit zu bieten als eine Öffnung zum Ausland.

Das Fazit des Films fällt zwiespältig aus: Wurde man als Zuschauer Zeuge des Anfangs von „etwas“? Oder gilt: „Der Wunsch nach einer Art kontrollierter Interaktion mit der Außenwelt ist echt. Aber interagieren bedeutet, beeinflusst zu werden. Das geht nicht. Tief drinnen verstehen sie das.“ Das letzte Wort hat dann Donald Trump, der in seinem Treffen mit Kim Jong-un ein Zeichen für „eine unglaubliche Zukunft“ erkennen will. Dazu passt dann die aktuelle Nachricht, dass die Organisatoren des zweiten Treffens der beiden Staatsmänner in Hanoi den Misserfolg dieser „Begegnung“ wohl nicht überlebt haben.

Film-Dienst, Ulrich Kriest

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WAR OF ART

Es gibt kaum einen größeren politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Unterschied als den zwischen Europa und Nordkorea. Soll das so bleiben?

Der Norweger Morten Traavilz dachte: nein. Er stellte eine Gruppe europäischer Künstler, mehrere Maler, einen Fotografen, einen Tonkünstler usw. zusammen und reiste mit ihnen nach Pjöngjang. Dazu dieser gut gemachte Dokumentarfilm.

Natürlich musste alles im Vorhinein genau geplant und genehmigt werden, denn in Nordkorea geschieht nichts ohne Vorschrift, Lautsprecherpropaganda, Militärpräsenz oder Aufpasser.

Vorgesehen war, dass die Westler ihre Kunstproben vorführen – und dass im Gegenzug auch die Nordkoreaner ihr kulturelles Schaffen zeigen.

Ganz so einfach war das dann allerdings nicht. Denn mit abstrakter Malerei, mit Bildern, die mit Blut gemalt sind, oder mit Tönen, die nur von Insekten oder Fledermäusen nicht jedoch von Menschen zu hören sind, konnten die Gastgeber nichts anfangen.

Sie treten für eine traditionelle, sozial brauchbare, von ihrem „Großen Führer“ Kim Jong-Un gelobte Kunstform ein. Westliche Versuche oder Auswüchse, wie sie oben genannt sind, halten sie für „keine Kunst“, für „krank“, gar für „verdächtig“, für „keinen Fortschritt“.

 „Ausländer verstehen das nicht.“

Vielmehr wird die nunmehr durch den Besitz von Atomwaffen gestärkte „Weltmacht“ Nordkorea hochgehalten, ebenso das Glück der Menschen dieses „reinen Volkes“, das ihm durch Kim Jong-Un geschenkt wird.

Einer der Wächter, Mr. Ham, der sich übrigens als kluger Kopf herausstellte, sagt in einem Gespräch, dass Homoerotik eine reine Sache des Kapitalismus sei. Andererseits singt einmal einer der westlichen Künstler während einer Party „Rape me again!“ So groß ist der Unterschied.

Kein Wunder, dass nicht nur gute Stimmung herrschte sondern auch Enttäuschung, Frustration und zeitweise eine sehr schlechte Stimmung. Aber natürlich versöhnte man sich auch wieder.

Dass der Versuch westlicher Künstler eine gute Sache war steht außer Frage! Denn noch immer ist Frieden besser als Krieg, Vermittlung besser als Trennung, Kenntnisnahme besser als Unkenntnis, sind Gespräche zwischen Trump und Kim besser als Sanktionen.

Ein hochinteressanter Film.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.

programmkino.de, Thomas Engel

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War of Art: Reise nach Nordkorea im Universum des sozialistischen Realismus, der an die Ikonographie der Pop Art erinnert

Nordkorea bleibt für die breite Öffentlichkeit ein Terra incognita, das gleichermassen fasziniert und erschreckt. In den letzten Jahren haben sich die Dokumentationen über dieses Land jedoch vervielfacht. Immer diese Zeitgeist-Fähigkeit des Kinos, die soziale und politische Themen packt, bevor sie in die Massenmedien eindringt.
Was diesen Dokumentarfilm so originell macht, ist nicht so sehr sein Thema oder dass er aufgenommen konnte, sondern die Tatsache, dass er in völliger Diskrepanz mit genau dem steht, was er zeigt: Künstler, die von ihren Koordinatoren und Betreuern „an der Leine gehalten werden“ – wie einer der Protagonisten ihnen vorwirft  –  und nicht einmal das Recht haben, allein über die Strasse zu gehen, während der Regisseur die völlige Freiheit zu filmen zu haben scheint.

Faszinierend ist auch die Tatsache, dass wir die Reaktion der Koreaner bezüglich der Kunst wohl verstehen können, nicht nur weil wir das von ihnen erwarten, sondern vielleicht vor allem, weil sie die Reaktionen widerspiegelt, die wir in unseren Ländern auf die zeitgenössische Kunst haben: Es ist in Europa nicht ungewöhnlich, Missverständnisse, Kopfschütteln, Belustigung, Sarkasmus, Ekel oder Ablehnung gegenüber diesen Künstlern und ihren Werken zu sehen. Das Buch eines Künstlers als Geschenk zu erhalten, hier vom französischen bildenden Künstler und Grafikdesigner Jean Valnoir Simoulin, signiert vor dem glücklichen – hier der glücklichen, sehr schnell angewiderten – Empfänger mit dem Finger, den er gerade gestochen hat, um sein Blut zur Tinte seines Autogramms zu machen, ist eine Erfahrung an sich, die nicht jedermanns Geschmack sein würde, unabhängig von seiner Herkunft…

Nik Nowak, ein deutscher Musiker und Klangkünstler, macht diese sehr luzide Bemerkung: „Auch in Deutschland ist meine Kunst den Menschen, die in Museen arbeiten, völlig fremd!“

Das Projekt, das aus zwei Teilen besteht – der Präsentation der Werke von 10 Künstlern im Geist eines „kulturellen Austauschs“ und der Begegnung mit nordkoreanischen Künstlern sowie einem Film, der die Ereignisse dokumentiert – wurde von Morten Traavik initiiert, einem umstrittenen norwegischen Künstler für seine seit 2011 regelmässige Zusammenarbeit mit dem nordkoreanischen Regime bei Kunstprojekten, der das Projekt DMZ Academy ins Leben gerufen hat.

Morten Traavik erklärt: „Wir wollen nicht die Demokratie und den Frieden nach Nordkorea bringen, das müssen sie schon selbst hinkriegen. Aber wir wollen unseren und ihren Blick auf die Welt hinterfragen.“

Der Aufenthalt der Künstler wird im wahrsten Sinne des Wortes durch einen Atomtest untergraben, der die Welt, ihre Räume und ihre Begeisterung erschüttern wird. Die Nerven aller Protagonisten – Koordinatoren und Künstler – liegen blank und die Kluft zwischen ihren Weltanschauungen scheint unüberbrückbar zu sein.

Gegen Ende des Aufenthaltes geht die kleine Gruppe an die Musikhochschule, wo Cathie Boyd –britischer Regisseurin, Produzentin und Kuratorin – und Nik Nowak ihre Klangarbeiten präsentierten. Schliesslich können sie ihre Präsentationen nicht halten. Die beiden Künstler, die das Niveau der Musiker der Schule bewundern, sind äusserst enttäuscht und deprimiert, weil sie sich durch ihre Kunst nicht austauschen konnten. Nowak ist demoralisiert und macht diese Bemerkung: „Die Menschen sehen wirklich glücklich aus. Aber wenn man aus dem Rahmen steigt, wird es schmerzhaft.“

In Wirklichkeit was Nowak und seine Akolythen sehen aber Schwierigkeiten zu haben es zu erkennen, ist genau die Kunst des Überlebens in einem bestimmten Umgebungsrahmen. War of Art unterscheidet sich in dieser Hinsicht nicht von Dokumentarfilmen über dieses Land, die typischerweise die Kluft zeigen, die trotz des guten Willens auf beiden Seiten zwischen den Begleitern und Gästen Nordkoreas, die ständige Konfrontation – ob gedämpft oder auffällig – mit dem Verständnis und der Wahrnehmung der Welt, den Klang- und Bildlandschaften, der Äusserung der Dinge und ihrer Realität, dem Seiltanz des Alltags…

Dieser spannende Dokumentarfilm ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, in ein völlig fremdes Universum einzutauchen und sich vor dem eigenen Spiegel der Wahrnehmungen zu befinden, die manchmal ebenso verzerrend wie verzerrt sind!

j-mag.ch, Malik Berkati

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DIE MAUER HÄLT

Die Dokumentation "War Of Art" folgt sieben westlichen Künstlern in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang, um mit Kunstschaffenden vor Ort ins Gespräch zu kommen. Das Ergebnis ist ein interkulturelles Desaster

Wer ein Konzert der Industrial-Band Laibach in Nordkorea auf die Beine gestellt hat, dem kann ein Austauschprojekt unter bildenden Künstlern nicht schwer fallen, sollte man meinen. Immerhin sind die slowenischen Musiker darauf spezialisiert, das ästhetische Vokabular totalitärer Regime nachzuahmen. Das kuriose Konzert endete 2015 mit Standing Ovations. Ein Grund mehr für den Organisator des Spektakels, Morten Traavik, erneut einen Ausflug in den abgeschotteten Führer-Staat zu wagen. Das Ergebnis ist die Dokumentation "War of Art" von Regisseur Tommy Gulliksen, die am morgigen Donnerstag in die Kinos kommt. 

Der norwegische Künstler Traavik sucht seit Jahren den Dialog, um Gräben abzubauen, denn Sanktionen hätten bisher keinerlei Wirkung gezeigt. Im Rahmen der von ihm initiierten "DMZ-Academy" soll sich deshalb eine Gruppe internationaler Künstler an Workshops mit Studierenden versuchen. An der Musikhochschule scheitert das Unterfangen schon daran, dass der Nachwuchs zwar seine roboterhafte Virtuosität am Klavier präsentieren darf, aber der westlichen Soundkunst im Anschluss fernbleibt, bis auf den Direktor, der nach wenigen Sekunden degoutiert die Nase rümpft. 

Annäherung nur über Männerwitze

Nach und nach prallt erwartungsgemäß auch der Rest der auf Schritt und Tritt überwachten Truppe mit seinen gut gemeinten Einblicken in Körperdesign, subjektive Fotografie oder sinnfreie Malerei an der ideologischen Mauer ab, die den Kunstbegriff der Gastgeber fest im Griff hält: Zwischen Erbauungs-Kitsch und handfester Propaganda ist kein Platz für nicht abgesegnete Experimente. Eine Annäherung gelingt nur über Männerwitze auf Kosten heiratsreifer Frauen, die den Fremden wie kostbare Kanarienvogel vorgeführt werden.

Es mutet beinahe rührend an, wie schnell das naive Häufchen seine subversiven Gesten aufgibt und vor den mal autoritär, mal kumpelhaft auftretenden Aufpassern kuscht. Selbst für verlogene Karaoke-Versöhnungsfeiern ist man sich nicht zu schade, um die Friedensbotschaft nicht zu gefährden - mehr Appeasementgeht nicht. 

"Im Westen ermuntert man uns zum Scheitern. Hier ist Scheitern keine Option", stellt die irische Bühnengestalterin entsetzt fest und lobt resigniert die handwerklichen Qualitäten der Obstmotive stickenden Studentinnen. Einzig der chinesische Kollege scheint die Funktionsweise des Systems zu durchschauen. Für ihn ist die Reise eine Fahrt in die Vergangenheit seiner Kindheit, kurz bevor China die Wende zu seiner so schizophrenen wie erfolgreichen Kapitalismus-Variante einleitete. Ihm gelingen sogar provokative Gespräche über die Situation von Schwulen und Lesben, die es nach Ansicht seines linientreuen Gegenübers im real existierenden Kollektiv-Paradies gar nicht geben kann, da diese ungesunden Phänomene einzig ein Produkt des Kapitalismus seien. 

Hurra, ein Wasserstoffbombentest

Gegen Ende kommt doch noch unfreiwillig Spannung auf, als ein Wasserstoffbombentest die Hotelzimmerwände wackeln lässt und die im Hurra-Ton vorgetragenen Nachrichten stolz das Waffenarsenal zur Schau stellen, das Präsident Trump zur Strecke bringen möge. Ausgerechnet der französische Blut- und Knochen-Künstler gerät in Panik und zieht sich, nicht ohne vorher dem Kameramann seinen Allerwertesten zu zeigen, in eine Dämmerwolke aus Beruhigungstabletten zurück.

Die anderen suchen mehr denn je den klärenden Austausch, ernten aber nur eine Kaskade aus Treueschwüren auf den weisen und geliebten Kim Jong-un, der das Land zum mächtigsten Staat des Planeten erhoben habe. Da geraten dann selbst die klaustrophobisch ausgeleuchteten Hotelflur-Bilder ins Wanken angesichts der frei flottierenden Nervosität auf allen Seiten. Und die mit ihrer progressiven Haltung allein gelassenen Fernreisenden wirken selbst so isoliert wie in einem aus dem Ruder gelaufenen David-Lynch-Trip.

monopol, Alexandra Wach

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Plötzlich wollen alle Nordkoreaner lieber Karaoke singen

Schwindelerregend: In Tommy Gulliksen Dokumentarfilm „War of Art“ proben Künstler aus dem Westen Kulturaustausch mit Nordkorea. Zwischen Fremdschämen und Kopfschütteln gibt es tatsächlich so etwas wie Verstehen. Als mitten in der Nacht im Hotel Pjöngjang die Wände wackeln, ist das für die westliche Reisegruppe eigentlich schon unheimlich genug. Noch unheimlicher ist dann nur, dass am nächsten Tag im Hotelfoyer das nordkoreanische Staatsfernsehen in Gestalt einer pinkfarbenen Frau mit Donnerstimme verkündet, man habe soeben einen Atombombentest erfolgreich absolviert. Die anwesenden Nordkoreaner applaudieren, und den westlichen Künstlern steht die Angst ins Gesicht geschrieben. „Ich habe eine Beruhigungstablette genommen“, sagt einer, „und warte jetzt darauf, dass sie wirkt.“

Keine Kolonisierung

Der norwegische Filmemacher Tommy Gulliksen begleitete für seinen Schwindel erregenden Dokumentarfilm „War of Art“ westliche Kunstschaffende unterschiedlicher Sparten 2016 auf einer Reise nach Nordkorea. Das Ziel: Kulturaustausch, initiiert vom norwegischen Künstler Morten Traavik.

Dessen Argument: Jahrzehnte der Sanktionen gegenüber Nordkorea hätten nichts zu einer Öffnung beigetragen, also versuche er es so. Doch gehe es nicht um eine kulturelle Kolonialisierung, sondern darum, sich Nordkorea auszusetzen – „und umgekehrt“.

„Rape Me“ von Nirvana singt gleich mal ein französischer Künstler abends in der hoteleigenen Karaokebar, und der Kulturclash lässt nicht lange auf sich warten. Anfangs jubeln die anwesenden Koreanerinnen noch schüchtern mit, wer weiß, ob sie den Text verstehen, doch im Hintergrund telefoniert schon leise das Personal, die Mädchen stehlen sich hinaus. Am Ende des Songs sind alle weg.

Selbstkritisch stellt die westliche Reisegruppe ihre eigenen Maximen infrage. „Im Westen ermuntert man uns zu scheitern, aber hier ist Scheitern keine Option“, sagt die britische Soundkünstlerin, als sie mit Nordkoreanerinnen an einem fotorealistischen Stickbild arbeitet und die Nadel falsch ansetzt. Man könnte sich über dieses Kunsthandwerk lustig machen. Oder die Frage stellen, warum im Westen Millionen Erwachsene ihre Seele mit Ausmalbüchern besänftigen.

Die Kunst der Westler stößt bei den Gastgebern auf Abwehr und Ekel. Selbstbewusst versuchen die Gäste ihre Werke und ihre Kunstauffassung zu erläutern, doch werden solche Gespräche von den nordkoreanischen Betreuern oft einfach abgebrochen. Entweder weil sie dringend ans Telefon müssen oder weil „es gerade zu heiß“ sei.

Selbstzensur auf leisen Sohlen

Gruppenchef Traavik droht mit Absage der Präsentation, will ein offenes Gespräch, die Nordkoreaner wollen lieber Karaoke singen – und genehmigen nebenbei plötzlich Dinge, die vorher unmöglich schienen. Im Gegenzug werden auch die Gäste beschwichtigender. Beteuern, das Gezeigte sei nicht „politisch“ gemeint, sondern drücke nur eine „Stimmung“ aus. Nicht nur die Zensur, auch die Selbstzensur kommt oft auf leisen Sohlen. Diese Dynamik zu beobachten ist ein gruseliges Vergnügen.

Das bemerkenswerteste Gespräch findet zwischen einem chinesischen Fotografen und einem der Betreuer statt: Ob es hier Schwule gebe, will der Fotograf wissen. Der andere, ruhig: „Nein. Ich denke, dass das ganze Schwulen- und Lesbending ein Produkt des Kapitalismus ist. Wir bringen den Menschen nur gute Dinge bei.“

Da will man gerade lachen, dann fragt der Chinese sein Gegenüber nach dessen nächstem Traum, etwa „eine schöne Wohnung zu haben“. Der lächelt: „Wenn Sie in meinem Land nach Träumen fragen, geht es nicht um materielle Dinge.“

Die Welt, Cosima Lutz

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DIE KUNST DES BRÜCKENBAUENS

Noch ein Film über Nordkorea? Das wird ja nach Camp 14 - Total Control Zone, Liberation Day, Meine Brüder und Schwestern im Norden und Im Strahl der Sonne inzwischen ein eigenes Genre! Es beweist: Auch der schwerste eiserne Vorhang, der weltweit derzeit noch existiert, ist etwas durchlässiger geworden. Die Regierung in Nordkorea erlaubt zunehmend, wenn auch sehr zaghaft und punktuell, den Besuch von Touristen und Geschäftsleuten im Land, das bis vor ein paar Jahren komplett vom Rest der Welt abgeschottet war. Selbst eine Annäherung an den Erzfeind USA und ein persönliches Treffen der Präsidenten Trump und Kim Jong-Un fand statt – bislang zwar ohne durchschlagenden Erfolg, aber wer hätte das in so kurzer Zeit erwartet? 

Der norwegisch-deutsche Dokumentarfilm War of Art entstand im Jahre 2017, als zwischen Trump und Kim Jong-Un noch Säbelrasseln herrschte. In diesem Moment höchster Anspannung plant der norwegische Künstler Morten Traavik einen Brückenschlag auf kultureller Ebene. Eine Gruppe von zehn Künstlerinnen und Künstlern aus westlichen Ländern und China sollte ihre Arbeiten den Kolleginnen und Kollegen der Kunstakademie und der Musikhochschule in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang präsentieren und zum Dialog anregen. Außerdem war ein kreativer Austausch über neue Werke geplant. Tatsächlich gelang es Traavik, die nordkoreanischen ministeriellen Beamten von dem Projekt zu überzeugen, um „das negative Bild, das im Westen von Nordkorea vorhanden ist“, zu korrigieren. 

Das Projekt bzw. der Besuch der Künstlergruppe erfolgte natürlich unter strengen Auflagen von nordkoreanischer Regierungsseite. Bekanntermaßen dürfen ausländische Besucher ohne einen Begleiter keinen Schritt allein unternehmen, geschweige denn drauflos spazieren, Alltagseindrücke sammeln oder fotografieren. So stellte sich nach der anfänglichen Euphorie in Pjöngjang, die vor allem auf Neugier beruhte, innerhalb der Künstlergruppe bald schon Ernüchterung ein. Immerhin: Die Irritationen und Enttäuschungen durften während des Aufenthalts der Westler und ihres chinesischen Kollegen genauso gefilmt werden wie die harmlosen Geplänkel und das offizielle Sightseeing, das die Kulturschaffenden zu den Monumenten führte, die der siegreichen Führerdynastie der Kims huldigen. 

Natürlich wussten Traavik und die Künstlerinnen und Künstler, auf welches Wagnis sie sich einließen und auf welches brüchige Terrain sie sich während ihres Besuchs begaben. Insofern kamen die Restriktionen und harten Urteile, die die nordkoreanischen Offiziellen über die westliche Kunst fällten – die in ihren Augen vielfach keine Kunst war – nicht völlig überraschend. Aber der Film dokumentiert auch: Wenn man nach einer so weiten Reise voller Ungewissheiten mitten im Schlamassel steckt, der vor allem darin besteht, sich für seine eigene Kreativität, seine Neigungen und letztlich für die eigene Persönlichkeit verteidigen zu müssen, ist das eine stärkere Herausforderung als es sich die Künstlerinnen und Künstler in ihrer Phantasie ausgemalt hatten. 

Was dem Projekt half, und damit auch dem Film zugutekommt, war die kluge Entscheidung Morten Traaviks, ganz unterschiedliche Kolleginnen und Kollegen zu dem totalitären Trip einzuladen: einen Berliner Sounddesigner, einen abstrakten norwegischen Maler, eine britische Performance-Regisseurin, einen chinesischen Kunstfotografen und last but not least einen zum Gothic neigenden Franzosen, der seine Bilder über Körper und Narben meist mit eigenem Blut signiert. Dieser Facettenreichtum an Themen und Temperamenten forderte die Toleranzgrenzen der Nordkoreaner einerseits besonders heraus. Zum anderen aber blieben bei Zensurmaßnahmen von Seiten der Gastgeber – ein Affront, den die Gruppe nach Diskussionen widerwillig, aber der guten Sache willen hinnimmt – immer noch genug Kunstwerke übrig, die für alle präsentabel waren. Die vor Ort entstandenen Werke bekamen zwar nur sehr Wenige zu sehen. Insofern war der kulturelle Dialog sehr begrenzt bzw. nur ein erster Schritt zu einer zukünftigen Annäherung von Künstlern innerhalb der politischen Systeme. Die Reise hat den gegenseitigen Blick auf die großen Unterschiede der Mentalitäten geschärft und eine Ahnung von den Lebens- und Arbeitsbedingungen der jeweils Anderen vermittelt. 

KULTURA-EXTRA - das online-magazon, Max-Peter Heyne & Gabriele Leidloff

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WAR OF ART

Jahrzehntelang waren Einblicke in diesen Staat rar. Seit geraumer Zeit versucht das Regime das zu ändern und seinen schlechten Ruf aufzupolieren. Nordkorea öffnet sich, lässt aber nur streng kontrollierte Reisegruppen zu. Was und wen die Fremden zu sehen bekommen und wie es ihnen präsentiert wird, ist von oben gesteuert. Reist man dennoch hin und nimmt in Kauf, (indirekt) für einen Unrechtsstaat zu werben? Oder bleibt man lieber gleich zu Hause?

Dieser Diskrepanz sind sich der Regisseur Tommy Gulliksen und sein Protagonist Morten Traavik bewusst und setzen sich gleich zu Beginn des Dokumentarfilms damit auseinander. Kritiker werfen Traavik vor ein "nützlicher Idiot" zu sein, der sich vom Regime vor den Propaganda-Karren spannen lasse. Traavik indes hält verhärtete Fronten für falsch. Sanktionen, Boykotte und die internationale Isolierung Nordkoreas hätten in den vergangenen 60 Jahren nichts gebracht. Nun sei es Zeit, "im Innern der Maschine zu wüten, statt seine Wut gegen die Maschine zu richten", sagt Traavik.

Innerhalb Nordkoreas stoßen die Künstlerinnen und Künstler allerdings schnell an ihre Grenzen. Frei bewegen können sie sich nicht. Dolmetscher, wie sie dem Kinopublikum bereits aus anderen Dokumentarfilmen wie "Im Strahl der Sonne" (2015) oder "Meine Brüder und Schwestern im Norden" (2016) bekannt sind, sind auch in "War of Art" omnipräsent. Sie beobachten jeden Schritt. Die einheimischen Kunstschaffenden wiederum sind zwar perfekte Handwerker, aber reine Kopisten, ohne individuellen Stil oder eigene Ideen. Und doch blitzen zwischen all der Kontrolle immer wieder kleine Freiheitsmomente auf. Die spielen sich vor allem in persönlichen Gesprächen und beim gemeinsamen Karaoke-Singen ab.

Gezwungenermaßen ist Gulliksen nah dran an der Gruppe. Die von ihm begleitete Reise bricht er durch kleine Kurzporträts auf, die die Reiseteilnehmer und ihre Kunst vorstellen. Deren Erwartungen vorab kontrastiert er mit ihren, teils schwer ernüchterten Reaktionen vor Ort. Dabei bleibt er stets beobachtend. Gulliksen kommentiert nicht, hakt nicht kritisch nach. Zu hinterfragen gäbe es derweil genug, abseits von Morten Traaviks Rolle etwa, ob sich der Organisator für seine Aktion nicht die falschen, für das nordkoreanische Kunstverständnis viel zu kontroverse Künstler ausgesucht hat.

Trotz seiner zurückhaltenden Form betreibt "War of Art" keine Werbung für Nordkorea (und übrigens auch keine für manche der im Film vorkommenden Künstlerinnen und Künstler). Das wahre Leben in diesem Staat lässt sich zwar allenfalls erahnen, die Schizophrenie des Regimes wird jedoch mehr als deutlich, weil Gulliksen dessen Kontrollsucht schonungslos offenlegt.

Fazit: Nach Filmen wie "Im Strahl der Sonne" oder "Meine Brüder und Schwestern im Norden" gewährt auch "War of Art" einen spannenden Einblick in eines der restriktivsten Länder der Erde – dieses Mal über den Weg der Kunst. Trotz einer rein beobachtenden Form arbeitet RegisseurTommy Gulliksen die staatliche Kontrolle heraus und zeigt eindrücklich, welch unterschiedliche Kunstauffassung zwischen Nordkorea und demokratischen Staaten besteht.

spielfilm.de, Falk Straub

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WAR OF ART

Viel habe ich bei meinen bisherigen Reviews nicht gefunden über Filme aus oder über Nordkorea: Hana – Dul – Sed, ein Film über die nordkoreanische Fußballmannschaft, und ein Film über nordkoreanische Gefangenenlager, Camp 14 – Total Control Zone, von denen wohlweislich in diesem Film von Tommy Gulliksen nicht die Rede ist. 

Gulliksens Film hat eine andere Absicht. Er will nicht Nordkorea kritisieren. Er dokumentiert, und ist insofern hochpolitisch, den Versuch eines Austausches mit Künstlern aus Europa und China in und mit Nordkorea. Es sind dies ein Grafiker und Installationskünstler aus Frankreich, ein Maler und Sprayer aus Norwegen, ein Fotokünstler und Filmemacher aus China, ein Sounddesigner aus Deutschland, eine Musiktheater-Regisseurin aus England. Sie machen sich unter der Organisation durch Morten Traavik, der lange schon Kontakte zu Nordkorea pflegt, auf nach Pjöngjan. 

Sie sollen Werke von sich präsentieren. Sie leben in einer Blase, betreut, beobachtet und kontrolliert von sorgfältig ausgewählten und hochgebildeten Nordkoreanern. Wäre vor 20 Jahren so ein Unternehmen noch so etwas wie ein Haarriss in der Abschottung der Diktatur gewesen, so scheint es heute immerhin eine kleine Pforte in der Mauer zu sein, durch die doch mehr Westler in das Land gelangen und dort sehr gut beobachtet selber ein klein wenig beobachten dürfen. 

Der Film öffnet einen klitzekleinen Spalt zu dem Land, vermutlich nicht mal vergleichbar dem Begriff von der Spitze des Eisberges. Die Gäste leben in der exklusiven Abgeschottetheit um das Hotel Pjöngjan, einem Internationalen Hotel. Sie beobachten aus ferner Distanz nordkoreanisches Lebens, vermutlich des feinen Lebens ausgesuchter Bürger. Das ist meine Interpretation. 

Der Film von Tommy Gulliksen schildert spannend, wie schwierig eine kulturelle Annäherung an ein Land läuft, das künstlerisch vor über 100 Jahren stehen geblieben scheint, lange vor DADA, Impressionismus, Futurismus, Expressionismus. 

Die nordkoreanische Kunst dient einzig und allein der Vergötterung des großen Führers Kim Jong-Un und der Beschwörung der Juche, des nordkoreanischen Menschenideals, das der Einheit und Stärke des Landes dient. 

Nordkorea ist schon über 70 Jahre abgeschottet, man denke, wie weit sich eine DDR in 40 Jahren von unserem demokratischen Denken entfernt hat und wie heute die Trennung noch nicht überwunden ist, wie tief die Prägung für Menschen war, die dort noch ihre Jugend verbracht haben. Insofern steht es uns nicht zu, uns Nordkorea gegenüber irgendwie als Besserwisser aufzuspielen. Das zeigt der Film deutlich.

Das erfordert von der Künstlergruppe große Demut, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern für die abschließende Präsentation, die vorgesehen war, zwar nicht sich zu verstellen, aber Kunstprodukte zu zeigen und vorzuführen, die nicht Lichtjahre vom Weltbild der Nordkoreaner entfernt sind. Das kostet manche Künster Nerven und führt zu mehreren Ultimaten. 

Die Erfahrungen der Gruppe bis dahin waren schon frustrierend. Immer wieder Termine, immer wieder Ablehnung von Begegnungen und Austausch. Der gemeinsame Nenner, der universelle, scheint im Moment erst minimal zu sein. 

Trotzdem sollte es für uns Westler Pflicht sein, uns mit dem Bericht über solch kleinen Schritte zu beschäftigen und zwar nicht aus einer Warte der Überlegenheit heraus, sondern bei aller ideologischer Diskrepanz, mit Respekt den Menschen und Künstlern gegenüber, die in einem für uns absurden System leben.

Filmjournalisten.de, Stefe

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WAR OF ART

Der Norweger Morten Traavik der schon seit vielen Jahren ungewöhnliche Kulturprojekte in Kooperation mit dem nordkoreanischen „Committe for Cultural Realtions with Foreign Countries“ zwischen  koreanischen und europäischen Künstlern organisiert, reist mit einer Gruppe internationaler Künstler im Frühjahr 2016 nach Pjöngjang, Nordkorea.

Sein Projekt DMZ – Academie, demilitarisierte Zone Akademie ist eine Anspielung auf die schwerbewaffnete Grenze zwischen Süd – und Nordkorea. Wiederholt möchte Traavik ein Vermittler für einen kulturellen Austausch sein, einen Dialog mit den Einheimischen führen, nicht um zu kolonalisieren, sondern die Menschen kennenzulernen und den Blick auf die Welt hinterfragen. In den Auge Amerikaner gab es seit Hitler keinen Staat, der das Böse so verkörpert hat.

Voller Aufregung und Neugier betreten die Künstler, vom Fotografen, einige Maler, ein Sounddesigner bis zum Komponisten das fremde Land. Von nun an werden sie auf Schritt und Tritt von einem – oder mehrerer Männer aus dem Komitee begleitet.

Nordkorea ist voll von Kunst, allerdings einer Kunst, geprägt von staatlicher Ideologie.

Die Frage, was denn sein glücklichster Moment als Künstler gewesen sei, beantwortet ein Einheimischer mit den Worten, als mich unser grosser Führer gelobt hat.

Es ist nicht leicht für die ausländische Truppe, ihre Kunst zu präsentieren. Ihre jeweiligen Produktionen werden mit Argusaugen begutachtet und mit Skepsis verfolgt. Nicht unbedingt verwunderlich, denn Traavik hat vor allem Künstler eingeladen, die auch in der westlichen Welt nicht unbedingt für Gefallen sorgen. Zum Beispiel der Franzose Jean Valnoir, der seine Kunst mit seinem eigenen Blut signiert und mit menschlichen Knochen hantiert. Oder die Britin Cathie Boyd, die die  krauchenden Bewegungen von Schnecken aufzeichnet und vertont. Das Fotografie in Korea nicht als Kunst gilt, stört den chinesischen Fotografen kaum. Unbeirrt fotografiert er drei hübsche Koreanerinnen in ihrer adretten Uniform. Übrigens, uniformierte Frauen sind im Strassenbild Pjöngjangs nicht  wegzudenken. Irgendwo findet immer eine Zeremonie statt. Der Fotograf ist der lockerste von ihnen. Er wagt es, den Hauptbegleiter in ein Gespräch zu verwickeln. Dabei erfährt er, dass für die Koreaner Heirat und Familie an oberster Stelle stehen und das es Homosexualität in ihrem Land absolut nicht gibt und dass sie stolz auf ihren Grossen Führer sind, auch wenn man das im Ausland nicht versteht.

Zwischen den ausländischen Künstlern macht sich Unmut breit. Mit dem, was sie wollten,  kommen sie nicht weiter. Als das Komitee bemerkt, dass sie aufgeben wollen, laden sie zu einem Essen mit Karaokeauftritten und Tanz ein, um die Stimmung zu lockern, mit dem Erfolg, dass einer von ihnen, seine Kunst öffentlich zeigen darf.

Mulmig wird ihnen, als nachts im Hotel die Betten wackeln und ihnen klar wird, dass der Grosse Führer einen Wasserstoffbombentest veranlasst hat, was ihre Unsicherheit verstärkt. An der Pressekonferenz am nächsten Tag, dürfen sie via Fernsehen teilnehmen. Der Hass und die Angst vor einem Angriff der Amerikaner ist riesengross und rechtfertigt ihrer Meinung nach, den Bombentest.

Tommy Gullisens „War of Art“ zeigt, dass das gutgemeinte Projekt zum Scheitern verurteilt war. Was die Truppe gelernt hat ist unter anderem, dass die Menschen alle sehr glücklich sind. Aber wenn sie aus dem vorgegebenen Rahmen ausbrechen, wird es schlimm. Wirkliche Momente des Austauschs unter den Künstlern hat es kaum gegeben.Trotz aller Enttäuschung waren die 10Tage für die Künstler eine unwiederbringliche Erfahrung mit einer Gesellschaft, die quasi hinter verschlossen Türen lebt und von der man durch diese interessante Dokumentation äusserlich, sowie auch zwischen den Zeilen, viel erfährt. Die Skepsis der Aufpasser gegnüber den Fremden, ist unübersehbar, da nützt auch die typische asiatische Höflichkeit nichts. „Wir hatten das Gefühl, an einer kurzen Leine herumgeführt zu werden“.  Sehenswert.

ulrike tratscht kino, Ulrike Schirm

Biografie

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Tommy Gulliksen ist Gründer und Produzent in Norsk Fjernsyn. Er hat fast dreißig Dokumentarfilme inszeniert und produziert. Gulliksen wurde für die Dokumentation "Terror Island" über die Terroranschläge in Oslo und Utoya mit vier Gullruten (Norwegische Fernsehpreise) und der Nymphe d ́Or in Monte Carlo 2012 ausgezeichnet.

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KINOSTART: 06.06.2019

 

BAD WÖRISHOFEN

22.07. - 24.07.2019 Filmhaus Huber

 

BAMBERG

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BERLIN

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DRESDEN

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ERFURT

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ERLANGEN

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FRANKFURT

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FREIBURG

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FÜRSTENWALDE

27.06. - 03.07.2019 Filmtheater Union

 

GRÖBENZELL

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HAMBURG

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13.06. - 27.06.2019 Abaton 

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HANNOVER

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KIEL

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KÖLN

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MÜNCHEN

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